Rebhuhnprojekt im Steinbruch Vohenbronnen

Ansiedlung von Rebhühnern im Steinbruch Vohenbronnen 

Die Intensivierung der Landwirtschaft sowie der zunehmende Pestizideinsatz haben zu einem alarmierenden Rückgang der Populationen des Rebhuhns in ganz Mitteleuropa geführt. Großräumige Flurbereinigungen haben einen beinahe vollständigen Verlust geeigneter Habitate dieses typischen Kulturfolgers mit sich gebracht. Im Kalksteinbruch Vohenbronnen des Zementwerkes Schelklingen wurden aus diesem Grund in 2008 neue Lebensräume für das Rebhuhn geschaffen und ein Wiederansiedlungsprojekt initiiert.

Dabei wurde zunächst ein kleinräumiges Mosaik aus Grünland und Heckenstrukturen geschaffen, um dem Rebhuhn geeignete Lebensräume zu bieten. Die umgebende Landschaft hat ihre Lebensraumfunktion für das Rebhuhn in jüngster Zeit verloren. Sie ist aktuell überwiegend durch intensive Landwirtschaft oder durch Hochwälder gekennzeichnet. Daher kommt der Schaffung geeigneter Lebensräume im Steinbruchgelände eine große Bedeutung zu. Von den neu geschaffenen Biotopen können auch andere Tierarten, insbesondere Vögel, Amphibien und kleine Säugetiere profitieren. Das Rebhuhnprojekt soll zum langfristigen Überleben einer gefährdeten Art beitragen, die bis in die jüngste Vergangenheit in weiten Teilen Deutschlands ein typischer, häufig anzutreffender Kulturlandschaftsbewohner war. So wurden noch bis vor wenigen Jahren im unmittelbaren Umfeld des Steinbruchs vereinzelte Populationen des Rebhuhns nachgewiesen, die nun jedoch vollständig verschwunden sind. Die nächsten noch bestehenden Vorkommen befinden sich im Donautal in der Umgebung von Ehingen, rund 8 km vom Steinbruchgelände entfernt. 

Das neu geschaffene Zuhause der Rebhühner  

Im Steinbruch Vohenbronnen befinden sich aufgrund der schrittweisen Umsetzung des Rekultivierungsplans bereits weitläufige Wiesenflächen. Diese wurden durch vier gleichmäßig verteilte, inselartige Heckenzüge ökologisch für das Rebhuhn aufgewertet. In der näheren Umgebung befindet sich zusätzlich ein Saum arteinreicher Ruderalflächen. Zwischen den Gehölzinseln wurden teilweise Wildäcker mit einer speziell auf die Ernährung des Rebhuhns abgestimmten Saatgutmischung angelegt (Saatstärke: 10 kg/ ha; mit unterschiedlichen %-Anteilen: Buchweizen, Luzerne, Sonnenblume, Rotklee, Dinkel Waldstaudenroggen, Hafer, Inkarnatklee, Einjährige Bitterlupine, Öllein, Leindotter, Ausdauernder Lein, Sommerweizen, Stoppelrübe, Sommerwicke, Wilde Malve, Ölrettich und Phacelia).

Zur Ansiedlung des Rebhuhns wurde im südlichen Bereich des Grünlandes eine Voliere mit einer Größe von 18x3x3m (6 Felder à 3x3x3m) errichtet, in denen sich die zur Auswilderung vorgesehenen Rebhühner zunächst akklimatisieren und mit der Umgebung vertraut machen sollten. Weiterhin wurden drei Futterstellen im Bereich des Grünlandes eingerichtet mit dem Ziel, die ausgewilderten Rebhühner in der Initialphase zu unterstützen. Für Huderplätze wurde Sand aufgeschüttet. Zusätzlich sind über das gesamte Steinbruchgelände verteilt etwa 6 ha Wanderbiotope vorhanden, die ebenfalls eine Lebensraumeignung für das Rebhuhn aufweisen. Diese Flächen sind für unterschiedlich lange Zeiträume von den Steinbrucharbeiten ausgenommen und lassen somit die Entwicklung artenreicher Ruderalfluren und aufgelockerter Gehölze zu.

Im Steinbruch Vohenbronnen ist damit eine abwechslungsreiche Landschaft mit einer Vielzahl an Grenzlinienbiotopen entstanden, wodurch optimale Voraussetzungen für das langfristige Überleben einer Rebhuhnpopulation geschaffen wurden.

Leinen los für die Rebhühner

Die erste Auswilderung von Rebhühnern erfolgte im September 2008. Die insgesamt 72 Hühner (6 Ketten zu je 12 Tieren) stammten aus einer deutschen Zucht. Während der Großteil der Rebhühner sofort in die freie Wildbahn entlassen wurde, verblieben 20 Junghühner noch in Volieren und wurden im darauffolgenden Frühjahr 2009 ausgewildert, nachdem Paarbildungen innerhalb dieser Gruppe erkennbar wurden und territoriales Verhalten einsetzte.

Seit 2009 wird ein regelmäßiges Monitoring durchgeführt, um die Erfolge des Ansiedlungsprojektes zu erfassen. Dazu wird der Steinbruch und dessen weitere Umgebung systematisch und vollständig, sowohl während der Abend- als auch Morgendämmerung, abgesucht. Nachdem die ausgesetzten Rebhühner über mehrere Wochen im Steinbruchgelände gesichtet wurden, musste man feststellen, dass ein Großteil der Rebhühner aus dem Gelände abwanderte. Was genau zum Abwandern der Rebhühner geführt hat, ist nicht bekannt. Die Freilassung der Junghühner, die noch in den Volieren zur Eingewöhnung gehalten wurden, versprach bezüglich der Ansiedlung im Steinbruchgelände mehr Erfolg, da sich die Tiere bereits an die Umgebung gewöhnt hatten. Durch Beobachtungen zeigte sich, dass es im Sommer 2009 zur Etablierung zweier Reviere im Steinbruch kam. Zusätzlich gelangen regelmäßige Beobachtungen bei Steinenfeld, die ebenfalls auf ein Revier deuten. Weitere Beobachtungen lagen aus der Umgebung des Schmiecher Sees vor. Durch den ungewöhnlich langen und harten Winter 2009/10, wie auch in 2008/09, wurde der Erfolg der Ansiedlung des Rebhuhns im Steinbruch erschwert. Kartierungen im Frühjahr 2010 legten nahe, das keines der etablierten Paare den vorangegangenen Winter überlebt hatte.

Der Versuch geht weiter…

Bis heute ist es noch nicht gelungen, im Steinbruch Vohenbronnen eine stabile Population des Rebhuhns aufzubauen. Das Projekt wird fortgeführt, zeigt aber erneut wie schwer es ist, eine einmal regional verschwundene Vogelart wieder anzusiedeln. Das Projekt zum Fortbestehen der Art als typischer Kulturfolger auch in der Umgebung von Schelklingen ist von überregionalem Interesse, da das Rebhuhn als bundesweit gefährdete Art in den letzten Jahrzehnten enorme Bestandsrückgänge zu verzeichnen hatte. Das Projekt steht somit stellvertretend für Folgeprojekte und bietet ein anschauliches Beispiel, wie mit wenig Aufwand reich strukturierte Biotope zur Sicherung einer gefährdeten Tierart geschaffen werden können.

Stephan Wehning

Werkleiter Schelklingen
HeidelbergCement AG
Zementwerk 1/1
89601 Schelklingen
Deutschland

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