Orchideenumsiedlung im Kieswerk Forchheim

Spülsandflächen als Lebensraum

Im Zuge von Arbeiten am Südostufer des Baggersees des Kieswerkes Forchheim, wurde im Jahre 2008 die Inanspruchnahme einer Spülsandfläche notwendig. Es stellte sich dabei heraus, dass die Fläche mit großen Orchideenbeständen besiedelt war. Gefunden wurden mehrere Hundert Blattrosetten verschiedener Orchideenarten.

Unter anderem der auf der Roten Liste (RL) Deutschland stehende Sumpf-Ständelwurz (). Die Orchidee ist in Kategorie 3 der Roten Liste (RL3) Deutschland als gefährdet eingestuft. Außerdem wurde das Fleischfarbene Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata) gefunden, das stark gefährdet ist (RL2). Die Fläche war darüber hinaus als potentieller Lebensraum der streng geschützten Grünen Strandschrecke (Aiolopus thalassinus) ausgewiesen.

Aus diesem Grund wurde entschieden, die auf der Fläche wachsenden Orchideen, mitsamt ihrem Nährboden in das südlich gelegene Naturschutzgebiet "Allmendäcker" umzusiedeln. Damit würde auch ein neuer und geeigneter Lebensraum für die Grüne Strandschrecke geschaffen. Der neue Lebensraum ist rund 0,8 ha groß. Die Genehmigung für das Umsiedlungsvorhaben wurde 2011 vom Amt für Umwelt und Arbeitsschutz im Landratsamt Karlsruhe erteilt.

Neue Heimat für farbenfrohen Exoten

Anfang 2011 war es dann soweit: Der Oberboden des Ersatzstandortes im Naturschutzgebiet„Allmendäcker“ wurde zu einem Wall aufgeschoben. Anschließend wurde die Fläche bis auf Seewasserniveau ausgehoben um sie später mit dem Sand des Spülfeldes wieder aufzufüllen. Der Aushub musste stufenweise erfolgen, um ein Abfließen des Spülfeldsandes zu verhindern. Bei der Umsiedlung des Spülfeldsandes musste auch darauf geachtet werden, dass die einzelnen Schichten nicht durchmischt werden. Die Feuchtigkeitsverhältnisse sollten dem des Ursprungsortes entsprechen und die frühere Oberfläche sollte auch neue Oberfläche werden. Denn die Orchideen benötigen für ein Wachstum sogenannte Mykorrhiza-Pilze, die sich bereits in dem Spülfeldboden befanden und so den Orchideen helfen an ihrem neuen Standpunkt zu wachsen.Vor Beginn der Arbeiten auf der Spülfläche wurden die auffindbaren Orchideen mit Wurzelwerk von Hand ausgegraben. Die Orchideen wurden dann auf zwei Paletten, bis zur endgültigen Fertigstellung der Ersatzfläche, zwischengelagert. Die Umsiedlung des gesamten Orchideenstandortes erfolgte abschnittsweise, um das Substrat in der gleichen Schichtung wie auf der Ausgangsfläche aufzubringen. Der finale Schritt war das Einpflanzen der Orchideen auf der neuen Fläche, nach der vollständigen Neuanlage des unterlagernden Bodensubstrats. Diese Vorgehensweise ermöglichte nicht nur das Umsiedeln der Orchideen, sondern auch das der Mykorrhiza-Pilze. Zudem wurde damit sichergestellt, dass auch der Wasserhaushalt dem des vorherigen Standortes entspricht. Die Pflanzung der zuvor gesicherten Orchideen erfolgte zusammen mit den Werksmitarbeitern am 19. April 2011. Es wurden dabei mindestens 175 Exemplare der Sumpf-Ständelwurz und 15 Exemplare des Fleischfarbenen Knabenkrauts gepflanzt. Bereits beim Einpflanzen der Orchideen wurden auf der Ersatzfläche an sechs weiteren Stellen rund 50 Blattrosetten des Sumpf-Ständelwurz gefunden, welche die Umsiedlung des Oberbodens zudem eigenständig überstanden hatten.

Nachhaltig schützen und fördern

Um die umgesiedelten Orchideen zu fördern und zu schützen, wurde ein regelmäßiges Monitoring zur Erfolgskontrolle eingeführt und passende Pflegemaßnahmen festgelegt und umgesetzt.

Die folgenden Tabellen zeigen die auf der Ersatzfläche gezählten Orchideen im Zeitraum von der Anpflanzung bis 2014:

Art

Sumpf-Ständelwurz (Epipactis palustris)

ZeitraumAnsiedlung2011201220132014
Anzahl Exemplare1754001.3214.2055.079
ArtFleischfarbenes Knabenkraut(Dactylorhiza incarnata)
ZeitraumAnsiedlung2011201220132014
Anzahl Exemplare15591328
Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass sich die Orchideen auf der Ersatzfläche erfolgreich angesiedelt haben. Der Sumpf-Ständelwurz hat sich von den Pflanzstellen auf die direkt umliegenden Bereiche ausgebreitet. Nach und nach sollen sich die Orchideen über die gesamte Ersatzfläche selbständig ausbreiten.

Da der langfristige Ansiedlungserfolg der Orchideen davon abhängt, dass die Fläche offen gehalten wird, werden Gehölz-, Goldruten- und Schilfaufwuchs durch zwei jährliche Mähvorgänge entfernt. Sollte sich in Zukunft die Möglichkeit ergeben, so ist auch eine Beweidung mit Schafen oder Ziegen denkbar.

Denis Spangenberger

Betriebsleiter Heidelberger Sand und Kies GmbH - Werk Rheinstetten-Forchheim
Tel.: 
0721 510131

Standorte

Mehr Infos durch Klicken der Pins