Gips und Anhydrit

Gips und Anhydrit werden bei der Zementherstellung verwendet um die Erstarrungszeit des Zements zu regeln. Dabei wird der gebrannte Zementklinker in einer Kugelmühle zusammen mit Gips oder Anhydrit zu Zement vermahlen.

Gips

Gips als natürlicher Rohstoff wird vorwiegend bergmännisch als Gipsgestein gewonnen, fällt aber heute auch häufig als Nebenprodukt in der Industrie z.B. bei der Rauchgasentschwefelung an. Technisch nutzt man das Vermögen des Gipses, das durch Erhitzen (Brennen) teilweise oder ganz verlorene Kristallwasser beim Anrühren mit Wasser wieder aufzunehmen und dabei abzubinden. Bei Erhitzen auf etwa 110 °C entsteht gebrannter Gips, bei 130 bis 160 °C Stuckgips, bei 290 bis 900 °C entsteht Anhydrit, bei dem das Kristallwasser ganz ausgebrannt ist.

Verwendung

Gips tritt in vielen Erscheinungsformen auf und verfügt über ein breites Anwendungsspektrum: ob im berühmten Gipsverband, als Tafelkreide, Formengips, Lebensmittelzusatzstoff oder im Trockenbau, als Grundstoff für verschiedene Putze und Trockenestriche oder als Zuschlag in der Zementindustrie – Gips begegnet uns überall.

HeidelbergCement betreibt zwei Gipsgruben in Obrigheimund in Trichtingen.

Anhydrit

Neben dem Vorkommen als natürliches Mineral wird Anhydrit auch durch Brennen von Gips hergestellt. Bei Temperaturen um 100 °C verbleibt im Gipsstein etwas Kristallwasser, wodurch Halbhydrat entsteht; bei höheren Temperaturen wird das gesamte Kristallwasser entzogen und es entsteht Anhydrit. Steht Anhydrit unter dauernder Feuchtigkeitseinwirkung, so nimmt er Wasser auf. Anhydrit wandelt sich durch diese Wassereinlagerung in Gips um und quillt dabei auf.

Verwendung

Anhydrit wird in Pulverform zu Klebstoff für Fliesen verarbeitet, allerdings muss ein "Anreger", meist Kaliumsulfat (K2SO4), oder auch Kalk (CaO), beigesetzt werden. Der Anreger beschleunigt die Wassereinlagerung, wodurch sich Anhydrit zu Gips umwandelt. Derartige Anhydritbinder sind lufthärtende, nicht hydraulische Bindemittel aus natürlichem oder synthetischem Anhydrit. Sie sind in ihren physikalischen und chemischen Eigenschaften mit Gips vergleichbar. Calciumsulfatbinder werden zum Beispiel zur Herstellung von Calciumsulfatestrich oder Calciumsulfat-Fließestrich verwendet.

HeidelbergCement stellt Calciumsulfat-Fließestrich her, der unter dem Markennamen Anhyment®vertrieben wird.

Stefan Berwanger

Werkleiter Gipsgrube Obrigheim
Tel.: 
06266 9207-10
HeidelbergCement AG
Hummelsklinge 1
74855 Haßmersheim
Deutschland