Hellweg-Steinschaf im Steinbruch Geseke

Ein Schaf passend zum Gelände - Züchtung einer geeigneten Schafrasse für Steinbrüche

Zur Pflege und Förderung der biologischen Vielfalt von Kalk-Magerrasenkomplexen in aufgelassenen und aktiven Steinbrüchen südlich von Geseke, werden auf Flächen der HeidelbergCement AG seit 2009 Schafe eingesetzt. Im Rahmen des Projektes „Hellweg-Steinschaf“ wird dabei eine eigenständige Landschafrasse gezüchtet, die besonders gut an die vorliegenden Extremstandorte, an die Anforderungen des Naturschutzes zur Pflege von Kalkmagerrasen sowie an die extensive Haltungsform angepasst ist.

Dieses Projekt des VerBund e.V. Geseke wurde zudem 2011/ 2012 erfolgreich beim Quarry Life Award (QLA), dem internationalen Wettbewerb bei HeidelbergCement, eingereicht.

Die Region um die Steinbrüche - Der Folgenutzungsplan

In der Region um Geseke wird seit ca. 120 Jahren industriell Kalk und Zement abgebaut bzw. produziert. Im Jahr 2004 haben Behörden und Industrie gemeinsam mit weiteren beteiligten Akteuren ein Abgrabungs- und Folgennutzungskonzept für die Kalksteinbrüche in Geseke entwickelt.

Das Konzept regelt u.a. die langfristige Rahmenplanung für zukünftige Abbauflächen, die Folgenutzung der geplanten und aktuellen Steinbrüche sowie den Naturschutz in Steinbrüchen. Daraufhin entstand 2009 die Naturschutzstiftung-Geseke, die u.a. an einem Pflegekonzept für Steinbrüche und Kompensationsflächen arbeitet, um die Biodiversität zu erhalten und zu fördern. Darunter fällt auch die Entwicklung und Pflege der Flächen mit Hilfe von Schafen.

In diesem Zusammenhang kümmert sich der VerBund e.V. Geseke seit 2009 um die Züchtung einer an den Standort angepassten Schafrasse, dem Hellweg-Steinschaf. Das Schaf soll nicht nur pflegerische Tätigkeit in den Steinbrüchen leisten, sondern auch als Sympathieträger der Region dienen.

Anforderungen an das Schaf

Das Hellweg-Steinschaf wird zur Pflege in stillgelegten und aktiven Steinbrüchen eingesetzt. Es muss also bestimmte Eigenschaften haben, um dem Biotop nicht zu schaden und die gewünschte Vegetation zu fördern. Das Schaf soll ein sogenanntes Landschaf sein, das aber auch Eigenschaften von Haarschafen aufzeigt, wie eine Kurzhaardecke im Sommer und ein kurzes, dichtes Winterfell (3-5 cm). Generell soll das Schaf eine Wildfärbung haben, also braun bis grau, und die Männchen (Böcke) sollen gehörnt sein. Darüber hinaus sollte das gezüchtete Schaf im Frühjahr einen natürlichen Winterfellwechsel machen, um somit die Arbeit des Schäfers zu erleichtern. Auch deswegen sollen die Schafe eher wild leben und eine saisonale Geburtenphase haben.

Die Schafe müssen zudem auch mit dem unwegsamen Gelände zurecht kommen, sie sollten also gute Kletterer und nicht zu schwer sein, damit sie die empfindliche Vegetation nicht zerstören. Zielgewicht bei Böcken sind 80-100 kg und bei Weibchen (Auen) 55-75 kg. Damit die Schafe eine Zunahme an Büschen und Bäume verhindern können, sollten sie auch an den Ästen und an der Rinde knabbern. Weil ein Kalk-Magerrasen sehr „mager“ ist, müssen die Schafe zudem sehr genügsam sein, um ihn dennoch gut zu entwickeln.

Eine neue Rasse entsteht – Das Hellweg-Steinschaf

Um all diese Eigenschaften und Aufgaben zu verbinden, wurden aus drei verschiedenen, älteren Schafrassen, das Hellweg-Steinschaf gekreuzt: Dem Tiroler Steinschaf, das sehr robust und genügsam ist, dem Kamerunschaf, das die gewünschten Haareigenschaften hat und aus der grau gehörnten Heidschnucke, die ebenfalls genügsam ist und auch das angestrebte Gewicht hat.

Zuerst wurde die erste Muttergeneration (Tiroler Steinschaf bzw. gehörnte Heidschnucke) mit der Vaterrasse (Kamerunschaf) gekreuzt. Die daraus entstandene Generation (F1) wird unter sich gekreuzt. Bei der zweiten Generation (F2) wird dann nach den gewünschten Eigenschaften geschaut und nur diese Tiere werden zur weiteren Zucht eingesetzt.

Durch diese Kreuzung ist so eine eigenständige und anerkannte Schafrasse entstanden, die den Namen der Region und der Nutzungsart trägt: „Hellweg-Steinschaf“. Der „Hellweg“ ist dabei die mittelalterliche Bezeichnung der Fernhandelsstraße (heutige Bundesstraße 1).

Das Probefressen

Bisher werden die Schafe in drei Steinbrüchen eingesetzt, um zu sehen, ob das Schaf den Anforderungen und den Bedingungen gewachsen ist.

  • Steinbruch Monopol
    Zum einem werden die Schafe im stillgelegten Steinbruch Monopol eingesetzt, der eine Sohltiefe von bis zu 20 m hat und 1934 stillgelegt wurde. Seit den 80er-Jahren fand hier keine Beweidung mehr statt, daher war der Steinbruch sehr mit Büschen zugewachsen. Um den hier heimischen und seltenen Tier und Pflanzenarten mehr Platz zu schaffen, wird die neue Schafrase auf der rund 7 ha großen Fläche seit 2009 eingesetzt. Denn hier finden sich mehr als 40 gefährdete Tier- und Pflanzenarten.
  • Abraumhalde Lothringer Steinbruch
    Auf der Abraumhalde des Lothringer Steinbruchs, die eine Höhe von bis zu 20 m hat und ebenfalls seit 1934 stillgelegt ist, wird das Schaf seit 2012 eingesetzt. Es soll den etwa 20 hier vorkommenden gefährdete Tier- und Pflanzenarten neuen Lebensraum schaffen.
  • Menken Steinbruch
    Im dritten Steinbruch, dem Menken Steinbruch führte die Naturschutzstiftung Geseke 2012 Pflegearbeiten (Entbuschung) als Kompensationsmaßnahme für das Zementwerk Geseke durch. Der Steinbruch wurde 1820 eröffnet und hat eine Sohltiefe von bis zu 6 m. Die Gesamtfläche beträgt ca. 0,2 ha und ca. 0,4 ha angrenzende Grünfläche. Auch hier sollen die Schafe weiterhin dafür sorgen, dass die Flächen offen gehalten und die Büsche und Bäume zurückgedrängt werden.

Erfolge feiern wie sie fallen

Die ersten Lämmergenerationen (F2), nach 3 Jahren Zucht, weisen schon einige der gewünschten Eigenschaften auf. Die Lämmer werden fast gleichzeitig geboren, was einer Wildpopulation entspricht. Die gewollte Fellfarbe wurde noch nicht erreicht, dafür aber die Felllänge und der Fellwechsel im Frühjahr. Die Tiere sind gesund, robust und kommen gut über den Winter, sie kommen auch mit der Vegetation gut zurecht. Der gewünschte Effekt bei Bäumen und Büschen ist besser als erwartet. Sie fressen die Blätter und Äste und legen das Gebiet so für die gewünschte krautige Vegetation frei. Die Zucht der Tiere wird aber weiterhin optimiert.

Das Projekt ist schon in seinem jungen Stadium ein großer Erfolg. Dies fand auch die Jury des Quarry Life Awards Deutschland 2011/ 2012. Das Projekt belegte beim Award den mit 3.000 € dotierten zweiten Platz auf nationaler Ebene.

Das Team arbeitet auch weiterhin daran, dass perfekte „Steinbruch-Schaf“ zu züchten. Durch den Aufbau einer größeren Herde, verbunden mit einem konsequenten Flächenmanagement, lassen sich weitere Verbesserungen der Flächenpflege und eine Reduzierung der Pflegekosten erreichen.

Projektpartner VERbund e.V.

Naturschutzstiftung Geseke

Beweidungsprojekte bei HeidelbergCement

Dr. Steffen Gajewski

HeidelbergCement AG
Bürener Straße 46
59590 Geseke
Deutschland

Standorte

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