Wildbienenweide Burglengenfeld

Pflanzung einer Wildbienenweide zum Schutz der kleinen Baumeister

HeidelbergCement hat im Jahr 2012 im Zuge des internationalen Wettbewerbs „Quarry Life Award“ das Projekt „Wildbienenweide“ ins Leben gerufen. Die ökologische Bedeutung der Wildbienen liegt vor allem in der Bestäubung von einheimischen Wildpflanzen. Ohne Wildbienen und andere Blütenbesucher würde die heimische Pflanzenvielfalt drastisch zurückgehen. Ein Rückgang der Pflanzenvielfalt führt folglich zu einer Abnahme der Bestäuber, was wiederum diejenigen Tierarten bedroht, die sich von Wildbienen, Insekten und Kleinlebewesen ernähren. Die Wildbienen spielen im Zuge ihrer Nahrungssammlung also eine wichtige Rolle bei der Befruchtung von Blütenpflanzen und tragen zur Erhaltung der Artenvielfalt bei.

Der Blütenreichtum einer angelegten Wildbienenweide bietet zahlreichen, darunter vielen gefährdeten Wildbienenarten, eine hervorragende Nahrungsgrundlage. Das Projekt „Wildbienenweide“ wurde von Martina Brockard und Olena Torchyk/ Studentinnen der TU München durchgeführt und erhielt den 1. Preis in der Kategorie National.

Projektbeschreibung – Von der Idee bis zur praktischen Umsetzung 

Das Ziel des Projektes war die Einrichtung einer Wildbienenweide im stillgelegten Bereich des Steinbruches. Die Artenvielfalt sollte erhöht, die Wildbienen geschützt und gefördert werden- eine naturdidaktische Unterstützung. Dazu wurde die Weidefläche auf einzigartige Weise angelegt, um die verschiedenen Blühzeiten, Blühlängen und -farben sichtbar zu machen. Durch Infotafeln und Haltepunkte ist die Wildbienenweide in Führungen durch den Steinbruch eingebunden und wird so der Bevölkerung präsentiert. Folgende Vorgehensweise wurde durchgeführt:

Schritt 1 – Finde die beste Fläche für die Wildbienenweide 

Die Weide liegt in der Mitte des renaturierten Bereiches des Steinbruchs. In unmittelbarer Nähe befinden sich einige bienenrelevante Strukturen, die durch ihre Besiedlungsfähigkeit das Artenspektrum erweitern. Von besonderer Bedeutung sind hier die schon bestehenden kalkmagerrasenähnlichen Bereiche, Gehölzbestände, ein Schuttring südöstlich der Weide sowie eine Schuttbarriere im Norden. Felswände und Gehölzbestände sind zudem beste Voraussetzungen für den Nestbau. Wasserflächen im nahen Umkreis nutzen Bienen zum Trinken oder zur Kühlung Ihres Baus.

Schritt 2 - Die Fallanalyse

Viele der Wildbienen benötigen spezielle, artspezifische Pflanzen und diese müssen vorhanden sein, will man die entsprechende Wildbiene fördern. Daher wurde für die Anpflanzung der Weide zuerst untersucht, welche Bienen- und Pflanzenarten am geeignetsten sind und am besten zu den Bedingungen im Steinbruch passen. 

  • Definition der Wildbienenarten
    Die hohe Strukturvielfalt bietet theoretisch die Möglichkeit, die Ansiedlung vieler verschiedener Wildbienenarten zu fördern. In der Praxis ist es aber so, dass bestimmte Wildbienenarten sehr spezielle Ansprüche an Nahrung und Nistmöglichkeiten haben.
    Daher wurden in zwei Schritten die Ziel-Wildbienenarten definiert (1. Lebensraum Steinbruch/ Bedingungen; 2. Nahrungsbedürfnisse). Nur wenn alle benötigten Pflanzen und Niststrukturen kombiniert vorliegen, kann die Etablierung einer Bienenart erfolgreich sein. Letztendlich blieben sieben Wildbienenarten übrig: Anthidium manicatum, Ceratina callosa, Megachile parietina, M. rotundata, Osmia aurulenta, O. bicolor, O. ravouxi.
     
  • Definition der Pflanzenarten
    Nach Zusammenstellung der Bienenarten wurden die Pflanzenarten gesammelt. Ziel hierbei war die Vegetation eines Kalkmagerrasens, die einen enormen Artenreichtum aufweist und typisch für diesen Steinbruch ist. Um den Kalkmagerrasen wildbienentauglich zu machen, wurden neben typischen Arten des Kalkmagerrasens auch standortgeeignete und einheimische Bienenweidepflanzen berücksichtigt. Ergänzt wurde die Zusammenstellung der Pflanzenmischung durch spezielle Pflanzen, welche die Zielbienen benötigen. Ermittelt wurden letztlich 32 einheimische Pflanzenarten, mit einer Gesamtblühzeit von März bis Ende Oktober.
     
  • Definition der Form - Schachbrettmuster
    Bei der Ansaat der Wildbienenweide wurde bewusst von der klassischen Methode abgewichen. Die Samen wurden nicht wie üblich als Mischung ausgebracht, sondern die einzelnen Pflanzenarten wurden voneinander getrennt. So ist für jedes Quadrat des Schachbretts eine einzige Pflanzenart vorgesehen (siehe Beispiel im Anhang). Zusätzlich sollte auf einem kleinen Teil der Fläche Mähgut ausgebracht werden. 

    Mit der Trennung der Arten soll erreicht werden, die jeweiligen Blühlängen und -farben getrennt wahrnehmen zu können. Außerdem kann man auf diese Weise den Blütenbesuch, der je nach Bienenart sowie Pflanzenart unterschiedlich ist, einfach erkennen. Somit lässt sich besser beobachten, wie sich die Fläche im Jahresverlauf verändert. Denn zu jeder Jahreszeit blühen andere Pflanzen und nicht in jedem Monat blüht gleich viel (siehe Pflanzplan). Für die Ansaat wurden 70 Einzelquadrate errechnet. Die Pflanzenarten wurden dazu nach Beginn der Blüte von links nach rechts verteilt. Niedriger wachsende Pflanzen wurden tendenziell weiter vorne gesät. Somit kann man nicht nur die Einzelarten erkennen, sondern ebenso eine Blühfolge, die sich von links nach rechts über die Wildbienenweide fortbewegt.

Schritt 3 - Die praktische Umsetzung

Im Juni 2012 wurden die ersten Arbeiten, wie Oberbodenabtrag, Abstecken der Projektfläche in Form eines Schachbrettmusters (insgesamt 70 Parzellen/ 5m x 4m), Erstellung des Pflanzungsplans und Mähgutauftrag auf der rund 1500 m² Projektfläche durchgeführt. Im September 2012 wurden die jeweiligen Pflanzensamen in die vorgesehenen Quadrate ausgebracht, später gewalzt und bewässert. Die jeweiligen Samenmengen wurden dabei mit einer Küchenwage abgewogen – jede Pflanzenart hat nämlich ihre eigene spezifische Saatgutmenge pro Flächeneinheit. Um die zum Teil extrem kleinen und leichten Samen besser aussäen zu können, wurden sie mit feuchtem Sand vermischt und per Hand in die vorgesehenen Quadrate ausgestreut.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser – zukünftige Pflegemaßnahmen und erstes Monitoring

Um den Bienen einen dauerhaften Lebensraum zu bieten, wird die Fläche regelmäßig durch Beweidung und Mahd (in wechselnden Streifen) gepflegt (ab dem 2.-3. Jahr). Des Weiteren wird die Fläche regelmäßig kontrolliert und die Arten untersucht. Im Rahmen einer Exkursion im Juni 2013 untersuchten Studenten der TU München, zusammen mit Prof. Kollmann, den aktuellen Zustand der „Wildbienenweide“. Hierzu wurden die einzelnen Parzellen hinsichtlich Vegetations-, Bodenzustand und Fremdarten geprüft. Zusätzlich wurden Einflussfaktoren auf die Verfassung der Zielpflanzen vermerkt. Diese Untersuchung wird von der TU München jährlich weitergeführt.

Henrik Wesseling

Werkleiter Burglengenfeld
HeidelbergCement AG
Schmidmühlener Straße 30
93133 Burglengenfeld
Deutschland

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