Unkenpool aus Beton

In Deutschland befindet sich eine bedeutende Population eines Froschlurches, dessen Vorkommen sich allerdings in einem schlechten Erhaltungszustand befindet. Knapp fünf Zentimeter groß, an der Oberseite lehm- bis olivbraun gefärbt und mit Warzen überdeckt – kein hübscher Anblick beim ersten Hinschauen, bis man den Lurch von allen Seiten sieht: Ein hübscher gelb gesprenkelter Bauch unterbrochen von einer grau-schwarzen Zeichnung verleiht der Amphibie ihren Namen: die Gelbbauchunke.

Die Unke hat ursprünglich in Auendynamik immer wieder neu entstehende, temporäre Kleingewässer in Bach- und Flussauen besiedelt. Aufgrund der Trockenlegung vieler Auen nutzt sie heute auch von Menschen geschaffene Ersatzbiotope. Denn zum Leben braucht sie eigentlich nicht viel – wassergefüllte Fahrzeugspuren, flache temporäre Gewässer oder kleine Wassergräben reichen ihr als Lebensraum. Im Nußlocher Steinbruch gibt es genau davon jede Menge. Das empfand wohl auch die Gelbbauchunke so und fühlt sich hier nicht nur pudelwohl, sondern vermehrt sich munter, wie die Zahlen des NABU belegen. Der NABU Baden-Württemberg hat sich als erster Naturschutzverband der Stärkung und Vernetzung von Gelbbauchunken-Vorkommen in Deutschland angenommen und will mit seinen Projekten bestehende Populationen der Gelbbauchunke stärken und Trittsteine zwischen Lebensräumen anlegen – Projektgebiete dafür sind die Steinbrüche in Nußloch und Leimen, wo seit 2012 verschiedene Projekte greifen.

Beton – es kommt drauf an, was man draus macht

Inspiriert durch die gute Zusammenarbeit bei bisherigen Projekten mit dem Kooperationspartner HeidelbergCement – in Person von Dr. Ulrich Schneider, Zementwerkleiter Leimen, und seinem Team – wollte die NABU-Projektleiterin und Biologin Christiane Kranz zusammen mit ihrer NABU-Kindergruppe – sieben Kinder im Alter zwischen 6 und 9 Jahren – 2016 eine neue Methode zur Förderung der Gelbbauchunken-Population erproben und erforschen. Ein weiterer Schwerpunkt lag in der Umweltsensibilisierung der Kinder, für die es ein großes Erlebnis war, selbst als Forscher in einem Steinbruch Artenvielfalt zu erleben und mitarbeiten zu dürfen. Für das Quarry Life Award Projekt „Besiedelung von flachen Betontümpeln – Swimmingpools für Gelbbauchunken“ fertigte HeidelbergCement dafür kleine Beton-Becken an. Diese wurden im renaturierten Teil des Steinbruchs Nußloch an verschiedenen Stellen in den Boden eingegraben. Frei von Fressfeinden und konkurrierenden Arten dienen die „Amphibien-Pools“ nun als künstliche Laichgewässer für die Gelbbauchunke. Die Projektgruppe überwachte mit kindgerechten Erfassungsbögen die Besiedlung der Beton-Kleingewässer und stellte vergleichende Untersuchungen an bestehenden Tümpeln an.

Gute Schwimmer lieben Beton-Pools

Beide Ziele des Projekts wurden in vollem Umfang erreicht. Fast alle Betontümpel fanden den Gefallen der erwachsenen Unken und wurden zur Fortpflanzung genutzt. Insgesamt 400 Kaulquappen der Gelbbauchunke konnten die Kinder zählen. Zusätzlich waren 100 Wechselkröten-Kaulquappen in den neuen „Swimmingpools“ – somit wurden gleich zwei stark gefährdete Amphibienarten gefördert. Durch das Projekt wurden die Kinder zu kleinen Gelbbauchunken-Experten und Naturschützern, die begeistert ihr Wissen weitergeben und somit als Multiplikatoren für mehr Artenvielfalt agieren.

Beeindruckend sind das außergewöhnlich große Engagement und die Ernsthaftigkeit bei der Herangehensweise der Schüler, die mit Artenlisten, Kartierungen und Temperaturbestimmungen der Laichgewässer fast schon wissenschaftlich gearbeitet haben. Gelobt wurde das Projekt auch als guter Ansatz, um das Interesse an der Natur bei Schülern nachhaltig zu wecken.

Die NABU-Projektleiterin Christiane Kranz plant im Jahr 2017 alle Gelbbauchunken-Biotope im alten Teil des Nußlocher Steinbruchs an 2-3 Terminen für das übergeordnete bundesweite Unken-Projekt wissenschaftlich zu kartieren und zu evaluieren. Weiterhin ist geplant, mit einer Jugendgruppe der 11- bis 14-jährigen an zwei Terminen den Steinbruch zu begehen. Mit ihrer QLA-Kindergruppe wird Christiane Kranz mit den Kindern wieder in den Steinbruch gehen, um den kleinen Forschern zu zeigen, was aus den Tümpeln und Betonwannen geworden ist.

Film zum Projekt (YouTube)

Dr. Ulrich Schneider

HeidelbergCement AG
Rohrbacher Straße 95
69181 Leimen
Deutschland

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