Biotopvernetzung von drei Steinbrüchen

Der Verein Heidelberger Biotopschutz e.V. (HBS) – Gewinner des deutschen ersten Platzes beim Quarry Life Award 2014

Auf der Gemarkung von Heidelberg-Rohrbach betrieb HeidelbergCement in seiner über 140-jährigen Vergangenheit zwei Abbaustätten zur Gewinnung von Muschelkalk: Den offen gelassenen Steinbruch Leimen, der heute Naturschutzgebiet ist, den Steinbruch Rohrbach, der rekultiviert dem Weinanbau dient und den Status eines Landschaftsschutzgebiets hat. Auf der Gemarkung liegt auch ein kleiner „Bauernsteinbruch“, der nach § 32-c des Naturschutzgesetzes als besonders geschütztes Biotop ausgewiesen ist. Alle drei Abbaustätten sind besonders artenreich, liegen nahe zusammen, sind jedoch voneinander durch dichte Barrieren aus Gehölzen isoliert, und dadurch für viele Arten nur als „Inselbiotope“ nutzbar. Der Verein Heidelberger Biotopschutz e.V. betreut seit vielen Jahren Naturschutzflächen und Laichgewässer innerhalb des nahegelegenen Waldes und in der Feldgemarkung rund um die Steinbrüche. Seit dem Jahr 2000 ist er auch für die Pflegemaßnahmen des Naturschutzgebietes Steinbruch Leimen verantwortlich. So entstand die Idee, im Rahmen eines großen Projektes inmitten eines Ballungsgebietes die Voraussetzungen für einen Biotopverbund zu schaffen. Die Entwicklungs- und Pflegemaßnahmen, die im Zuge des Quarry Life Award umgesetzt wurden, sind dabei nur ein kleiner, aber immens wichtiger Projektabschnitt, der die Basis für eine langfristige Pflege und weitere Entwicklungsschritte bildet. erfolgreichen

Große Projekte brauchen viele Partner

Kooperationspartner des Projekts sind neben der Stadt Heidelberg mit der unteren Naturschutzbehörde, das Amt für Flur-neuordnung des Rhein-Neckar-Kreises, das Weingut Clauer, der Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald mit dem Erlebniswanderweg Wein und Kultur und die Jagdpächter Heidelberg-Rohrbach.

Ziel des Projektes war es, durch geeignete „grüne“ und „graue“ Korridore  alle drei Steinbrüche miteinander zu vernetzen, um die Bewahrung, Wiederherstellung und Entwicklung funktionsfähiger, ökologischer Wechselbeziehungen in der Landschaft zu fördern/sichern. Im Fokus des Projektes stehen hier besonders Amphiben, Reptilien und Insekten, denen z.B. ,,sichere Wanderwege‘‘ durch die Verbindungen geschaffen wurden.

Im Biotopverbund mit dem Stadtwald und den landwirtschaftlich genutzten Feldern wird so ein räumlicher Kontakt zu weiteren Individuen hergestellt und die wertvolle ökologische Wirkung der Ausbreitung und Zuwanderung noch verstärkt.  Außerdem wurde eine zusätzliche Vernetzung der Steinbrüche nach außen in den Stadtwald und zu den landwirtschaftlich genutzten Flächen geschaffen. Dies ermöglicht/erleichtert einzelnen Arten die Ausbreitung und Wanderung und ist eine wichtige Voraussetzung für deren Erhalt. Die Umsetzung der Verbindungen wurden sogenannte ‚,grauen Linien‘‘, dies sind möglichst vegetationslose Schotterflächen,  und  ,,grüne Linien‘‘,  aus gehölzfreien Wiesen und Magerrasenflächen, geschaffen.

Wer weit wandert, benötigt auch Rast- und Zufluchtsorte

Um der Tierwelt die Wanderschaft zwischen den Standorten zu erleichtern, wurden zusätzlich Trittsteinbiotope, wie temporäre Kleingewässer, Lesesteinhaufen und Schotterschüttungen, Reisighaufen und Holzstapel, Trockenmauern und freie Lösswände angelegt. Solche Klein-Refugien dienen der Arterhaltung, da sie den gene-tischen Austausch zwischen den Biotopen gewährleisten. Gerade Trittsteine wie Kleingewässer sind für seltene Amphibien wie die hier vorkommenden Gelbbauchunke und der Wechselkröte ein wichtiger Laichplatz.

Da der HBS seit vielen Jahren die Biodiversität im Rahmen eines Monitorings ehrenamtlich dokumentiert, gibt es viele positive Nachrichten, die Artenvielfalt wird sichtbar! Wer mit offenen Augen über den Erlebniswanderweg pilgert, kann zahlreiche Vogel- und Schmetterlingsarten sowie Eidechsen, Molche und mit ein bisschen Glück auch einen Feuersalamander beobachten.

Der Verein Heidelberger Biotopschutz e.V. arbeitet auch weiterhin mit dem Zementwerk zusammen. Für die Reptilien wurden beispielsweise Steinschüttungen angelegt. Zusätzlich wurden mit dem Bagger Strukturen, wie Gewässer und Schotterflächen, geschaffen. Die Vernetzungslinie wurde zudem optimiert: Gehölze wurden beseitigt, Mauern wurden angelegt. Die Vernetzungslinie wird bereits regelmäßig von Fasanen, Goldammern und Rehen genutzt.

Dr. Ulrich Schneider

HeidelbergCement AG
Rohrbacher Straße 95
69181 Leimen
Deutschland

Standorte

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